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Was man unbedingt über Córdoba wissen muss

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Januar 31, 2016 by Gretchen

Grenze Nuevo Córdoba und Güemes

Nach unserem tollen Aufenthalt in Esteros del Iberá inklusive aufregender Rückkehr, ging es dann mit einer kleinen Verspätung endlich wieder in die Zivilisation. Es standen drei Tage Rosario auf dem Plan, wobei hier selbst nichts geplant war. Zu Rosario fallen mir im Nachhinein spontan ein: sehr warm, hübsche Stadt, gutes Essen. Achtung Spoiler: Von allen argentinischen Städten, die ich auf der Reise gesehen habe, ist Rosario die Schönste. Dazu muss allerdings auch erwähnt werden, dass ich die Meisten tatsächlich nicht gesehen habe. Salta und Mendoza sollen ebenfalls sehr schön sein, dazu kann ich allerdings nichts sagen – Spoiler Ende 🙂

Also drei Tage im schönen Rosario, wo wir die wahrscheinlich besten Rabas gegessen haben. Also sollte einer der Leser hier jemals nach Rosario kommen, muss er unbedingt „La Marina“ einen Besuch abstatten. Das spanische Restaurant nahe am Fluss, ist sehr beliebt und es kann sein, dass man ein wenig auf einen Tisch warten muss, aber versprochen, es lohnt sich. Ein weiteres kulinarisches Highlight ist hier das Rock & Feller’s. Dieser anscheinend sehr angesagte Laden hat ausgezeichnetes Essen und Mittag gibt es günstige Angebote. Der geneigte Leser hat nun vielleicht die Vermutung, dass wir in Rosario nur gegessen haben. Das ist fast richtig – aber nur fast, denn es gibt in der Stadt auch ganz hübsche Bars, wo hippe Leute (also so wie wir) fancy Drinks genießen und sich sehen lassen :). Da vergehen drei Tage dann auch ganz flott und so ging es am 19.12. also pünktlich kurz vor Weihnachten nach Córdoba.

Nachtleben auf argentinisch

Für die ersten beiden Nächte hatten wir ein Zimmer in einem Hostel im Zentrum. Nach vier Wochen in einem Vorort von Buenos Aires und dann drei Wochen auf Reisen, hatten wir es an diesem Wochenende tatsächlich das erste Mal geschafft, auszugehen. Was sich zunächst als etwas holprig erwies. Einen Technoclub finden in einer fremden Stadt – in Argentinien…. Direkt die erste Person, die auf der Straße angesprochen wurde, wusste von dem einen Club zu berichten, der Techno spielt, das „Dorian Grey“ – na das könnte doch Gutes verheißen. Allerdings war er sich nicht so sicher, ob der Laden das Richtige ist, immerhin gehen da „sehr viele Schwule“ hin. Oha, Berghain auf argentinisch?! Könnte man machen, aber sollte man gleich ins Erstbeste? Man könnte ja noch weitere Meinungen einholen. Also haben wir uns vom Taxifahrer dahin bringen lassen, wo es viele Kneipen gibt, wo man eben am Wochenende hingeht. Da angekommen, gings zunächst in einen Kiosk, Wasser kaufen, denn diese Sucherei macht durstig. Der Verkäufer da hat uns vom „Dorian Grey“ erzählt – aber Achtung, da gehen vor allem Schwule hin und vom „Black Sheep“. Das sollte direkt um die Ecke sein, allerdings haben wir es nicht gefunden (man hätte einfach mal nach oben schauen müssen :)). Statt des schwarzen Schafes haben wir eine Bar gefunden, in welcher uns dann ein neuer heißer Tipp gegeben wurde. „Bela Lugosi“ da gibt elektronische Musik und ist angeblich ganz toll, ok dann probieren wir jetzt das. Ab ins Taxi und zum „Bela Lugosi“. Das entpuppte sich als echt kleine Bar mit einem Hinterzimmer – und da gabs Techno, finally. Aber so richtig, nicht so ein weich gespülter Minimalkram, sondern richtig rums. Ich glaube, so etwas in Deutschland Anfang der Nuller Jahre das letzte Mal gehört zu haben. Aber was soll ich sagen, es war cool und hat Spaß gemacht. Der Spaß war dann von jetzt auf gleich um 5 Uhr ziemlich abrupt vorbei, denn so wollte es die Sperrstunde. Für das erste Mal hats auch gereicht, wir sind ja auch nicht mehr die Jüngsten – was man dann auch den nächsten Tag gemerkt hat.

Nachdem wir den Sonntag zur Erholung brauchten, ging es am Montag in unsere neue Unterkunft. Córdoba sollte ja wieder für etwas länger unsere Heimat sein, um in Ruhe arbeiten zu können (zudem ist nach drei Wochen ständig Sachen packen, eine feste Bleibe für eine gewisse Zeit auch wieder schön). Das kleine Apartment, was wir über Airbnb gebucht hatten, lag im Studenten – Stadtteil Nuevo Córdoba. Dieser Teil der Stadt besteht beinahe nur aus hohen Neubauhäusern und darin lebenden Studenten. Architektonisch kein Highlight aber eine nette Gegend, mit vielen Restaurants (Bio, vegan, coole Coctails – fast wie in Neukölln) und Bars, für das leibliche Wohl sollte also erst einmal gesorgt sein. Außerdem war der größte Park der Stadt, der Parque Sarmiento nur drei Minuten zu Fuß entfernt.

Die nächsten Wochen waren dann vor allem durch die Arbeit definiert: Aufstehen, Arbeiten, Essen, Arbeiten, Sport, Essen, Schlafen…so in etwa. Doch ein paar Unterbrechungen haben wir uns doch gegönnt, denn immerhin vielen auch Weihnachten und Silvester in unsere Zeit in Córdoba.

Weihnachten in Córdoba – Allein zu Haus

Zunächst Weihnachten, beziehungsweise der Heilig Abend und der 25.12., denn einen zweiten Weihnachtsfeiertag gibt es in Argentinien nicht. Mein erstes Weihnachten nicht in Leipzig – nicht einmal in Europa und ja, es war anders, ganz anders. Wahrscheinlich hat es mir deswegen auch nicht so viel ausgemacht nicht bei meiner Familie zu sein, denn weihnachtlich habe ich nicht gar nicht gefühlt. Das beginnt damit, dass es bei uns in Córdoba 28 Grad Celsius war (es wurde im Laufe des Januars wärmer). Außerdem gab es weder in Läden noch Restaurants Weihnachtsmusik und auch mit entsprechender Dekoration hat man sich bedeckt gehalten (ganz anders als in Kolumbien). Noch etwas fehlte: Menschen. Aber eigentlich logisch: In einem Viertel, in dem nur Studenten wohnen, ist an Weihnachten, während der Ferienzeit jeder nach Hause gefahren. Als wir am Abend auf unserem Balkon saßen, die Hochhäuser auf der anderen Straßenseite, kein Fenster mit Licht – da hätte man kurzzeitig glauben können, wir sind die einzigen Menschen. Kurz vor Mitternacht an Heiligabend kam dann aber doch noch einmal ein bisschen Stimmung in die Bude, denn es ist in Argentinien nicht unüblich, am 24.12. Feuerwerk zu machen. Also es gab noch Leben auf unserer Seite des Planeten.

Da unser Weihnachtsschmaus zwar sehr lecker aber nicht unbedingt typisch war, haben wir uns entschlossen nach Weihnachten einen Ausflug zu machen – ins „deutsche Dorf“. Von Villa General Belgrano hatten wir bereits kurz nach unserer Ankunft in Córdoba gehört . Ein Dorf, bewohnt unter anderem von deutschen Überlebenden eines vor Montevideo untergegangenen Kriegsschiffs während des Zweiten Weltkriegs. Hier wird die alpine Herkunft der Vorfahren (außer Deutschen vor allem Schweizer und Norditaliener) gepflegt, weshalb der Ort ein beliebtes Touristenziel ist (ja es gibt auch ein Bierfest). Wo kann man also zur Weihnachtszeit wohl besser seine Gelüste nach deutschem Essen befriedigen, als in einem „deutschen Dorf“?

Villa General Belgrano, so deutsch werden wir nie

Die Busfahrt dauert offiziell etwa 2,5 Stunden, inoffiziell war es dann allerdings doch ein wenig länger. Aber die Landschaft war ganz schön und trotz der über 30 Grad Außentemperatur auch ganz angenehm, bis die Klimaanlage ausgefallen ist – dem Bus wurde auch zu heiß, weshalb unsere Fahrt kurz unterbrochen wurde – er brauchte Wasser. In Villa General Belgrano angekommen, mussten wir leider feststellen, dass das Restaurant, welches wir auserkoren hatten und für sein gutes Essen bekannt war, zwischen 14-19 Uhr geschlossen hat (wie so vieles in Argentinien, wir haben Restaurants gefunden, die 13 Uhr zu machen…). Da wir aber Hunger hatten – immerhin war Essen der Hauptgrund unseres Ausflugs – mussten wir also umdisponieren und haben uns spontan für das „Estacion Frankfurt“ entschieden. Bei 34 Grad im Schatten gab es hier Spätzle mit Gulasch beziehungsweise Kassler mit Sauerkraut, als Nachtisch Apfelstrudel und das beste Bier, was ich bis jetzt in Argentinien getrunken habe! Also hat sich die Reise doch schon gelohnt.

Abgesehen vom Essen, was tatsächlich ganz lecker war, ist die Stadt schon sehr speziell. Hier lebt anscheinend alles und jeder von der Tradition der alpinen Vorfahren. Die Häuschen erinnern tatsächlich an die Alpen und dazwischen kann man seinen Kopf durch Hänsel & Gretel Pappfiguren stecken, um Fotos zu machen. Jeder zweite Laden verkauft Souvenirs von dem jedes Jahr hier statt findenden Oktoberfest und Berlin wird kurzerhand in den Spreewald gesteckt. Disneyland mal anders. Eigentlich alles ganz süß und lieb und trotzdem hofft man, das die Touristen hier nicht wirklich glauben, dass es so auch in Deutschland ist 😉

Estacion Frankfurt in Villa General Belgrano

Estacion Frankfurt in Villa General Belgrano

Berlin im Spreewald, zumindest in Argentinien

Berlin im Spreewald, zumindest in Argentinien

Spanisch lernen in Córdoba

In der Woche zwischen Weihnachten und Silvester hatten wir vier Tage Spanischunterricht, was schon sehr lehrreich aber leider natürlich viel zu kurz war. Eigentlich hätte ich gern noch weiter gemacht, aber jeden Tag 3 Stunden spanisch und arbeiten wäre auf Dauer zu viel geworden. Aber es war auf jeden Fall eine willkommene Abwechslung und hat neben ein paar kleinen Verbesserungen der Spanischkenntnisse auch noch weitere Einblicke in argentinisches Leben vermittelt. Zum Beispiel wurde uns hier erklärt, warum die Stadt so leer war: Wie wir bereits vermuteten, waren die Studenten bei ihren Familien. Zudem ist Januar und Februar in Argentinien Urlaubszeit. Vor allem in Córdoba versuchen viele in dieser Zeit wegzukommen, weil die Stadt im Sommer sehr heiß und trocken ist.

Ein weiterer „Fun Fact“: Ich habe in meinem Artikel über Buenos Aires geschrieben, dass in Argentinien öffentliche Verkehrsmittel, Strom, Gas etc. so unglaublich günstig sind, weil das alles vom Staat subventioniert wird. Das ist jedoch nicht ganz richtig. Eigentlich ist es nur in Buenos Aires so günstig und wird vom Rest Argentiniens finanziert. Eine Vorgehensweise, die wohl vom neuen Präsidenten Macri abgeschafft wird. Apropos Macri: Für mich hat sich der Eindruck weiter verstärkt, dass der Großteil der Menschen große Hoffnung in den Regierungswechsel setzt. Zwar gibt es auch Menschen, die Kirchner für eine tolle Präsidentin hielten und Macri beispielsweise vorwerfen, dass er Unternehmer ist und damit zur verhassten Elite der Ausbeuter gehört. Allerdings sind diese eher in der Minderheit (mein Eindruck) und in Anbetracht der Tatsache, dass Frau Kirchner durchaus größere Besitztümer hat (Hotels z.B.) und einen unübersehbaren Hang zu übertriebenem Luxus, eventuell ein wenig verblendet (aber ich wollte mich da nicht mit meiner Spanischlehrerin anlegen ;)).

Neues Jahr beginnt in Córdoba

Ein weiteres Cordoba-“Highlight“ war dann natürlich Silvester. Eigentlich wollten wir essen gehen, aber natürlich gab es keine freien Plätze mehr, und da wir beide keine riesigen Silvester-Fans sind, haben wir beschlossen, einfach zu Hause zu Kochen und zu Trinken und dann mal schauen. Gesagt, getan.

Und auch dieser hohe Feiertag ist so gar nicht mit Deutschland und vor allem Berlin zu vergleichen. Es waren durchaus mehr Menschen auf den Straßen als an Weihnachten, aber insgesamt war doch alles sehr gediegen. Hier und da immer mal ein Grüppchen, das Feuerwerk gemacht hat, aber eigentlich eher ruhig. Gegen 1 Uhr sind wir dann noch einmal losgezogen, irgendwo würde doch sicherlich ein Club offen haben.

Zunächst sind wir wieder herum geirrt, kaum Leute und noch weniger Party. Als wir in einer Kneipe dann eine kurze Pause gemacht haben, wurde es dann aber doch zusehends voller – das war nach 2 Uhr – langsam kam Leben in die Stadt. Trotzdem wussten wir immer noch nicht wohin und sind einfach weiter herumgelaufen. Bis wir plötzlich und unverhofft vor dem „Bela Lugosi“ standen. Da war die Freude doch riesig – beim Barmann, der uns direkt wieder erkannt hat – und bei uns gleichermaßen. Leider war hier an dem Tag keine Party. Der hintere Raum war an Silvester zu und in der Bar war auch nicht viel los. Der Barmann empfahl uns aber seinen Lieblingsclub: das „Dorian Grey“ – da war es wieder. Nun gut, dann soll es eben so sein. Also ab ins Taxi und zu diesem sagenumwobenen Schwulenclub. Nun ja, wer sich tatsächlich so etwas wie das argentinische Berghain vorgestellt hat, den wird der Club schwer enttäuschen. Die Musik war durchaus gut und tanzbar. Der Style des Clubs eher Marke Durchschnittsdisco und die Geschichte von einem Schwulenclub auch eher Sage. Es gab da sicherlich den einen oder anderen, aber weniger als in jedem Berlin Club. Nach unserem zweiten Ausflug ins argentinische Nachtleben lässt sich festhalten: Kann man machen, für einen verwöhnten Berliner natürlich alles ein wenig gemütlicher und entspannter als zu Hause.

Free Walking Tour

Was ich bereits in Rosario machen wollte, aber da leider verschlafen hatte, habe ich dann in Córdoba nachgeholt – eine Free Walking Tour. Das sind Stadtführungen, die kostenlos von Vereinen durchgeführt werden (der Guide erhält üblicherweise Trinkgeld) und häufig auch etwas abseits der gängigen Sehenswürdigkeiten. Hierdurch kam ich das erste Mal nach Güemes. Dieser Stadtteil grenzt direkt an Nuevo Córdoba, ist also von unserer Wohnung nur einen Katzensprung entfernt. Bereits bei Tag, während der Stadtführung, sah man ganz deutlich, dass dies das eigentliche „Hippsterviertel“ ist. Güemes ist super alternativ aber auch ziemlich fancy und angesagt mit vielen Restaurants, Bars, Klamottenläden und Flohmarkt – bisl wie Kreuzkölln oder so. Nachdem das entdeckt war, ging es da dann jeden zweiten Tag hin, weil da jeder Laden irgendwie wirklich schön und einzigartig ist und da das Leben tobt.

Nachtleben in Güemes

Nachtleben in Güemes

Auch tagsüber ist es in Güemes super

Auch tagsüber ist es in Güemes super

Der zweite Ausflug ins Umland: Carlos Paz

Unser zweiter Ausflug ins Umland Córdobas war ein Badeausflug nach Carlos Paz. Eine knappe Stunde mit dem Bus, ist Carlos Paz ein beliebtes Ziel zum Baden gehen. Vom Busbahnhof geht es mit dem städtischen Bus direkt an einen der Flussstrände in der Stadt. Davon gibt es drei, wir haben den Nächsten genommen, der auch zu Fuß in etwa 20 Minuten erreichbar ist. Hierbei handelt es sich um offizielle Badestellen, inklusive Rettungsschwimmer alle 100 Meter (von denen einer tatsächlich gefordert wurde, vor meinen Augen – fast wie bei Baywatch – es ist gut ausgegangen). Dort vergammelten wir also einen heißen Tag und sind ein bisschen gegen den Strom geschwommen.

Badeausflug nach Carlos Paz

Badeausflug nach Carlos Paz

Um Córdoba gibt es eine ganze Reihe schöner Ausflugsziele. Vor allem ein Ausflug in die nahen Berge soll sehr lohnend sein. Dafür hat leider ein wenig die Zeit gefehlt. Aber auch Córdoba selbst ist eine ziemlich schöne Stadt, vor allem die Stadtteile Nuevo Córdoba und Güemes sind super und lassen keine Hippsterwünsche offen. Für uns sollten aber als nächstes weiter entfernte Reiseziele kommen.


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