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El Calafate und Torres del Paine

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Februar 27, 2016 by Gretchen

Perito Morena, erster Blick

Nun hatten wir unseren vier Wochen in Cordoba mit nur wenigen Pausen durchgearbeitet. Der Grund war unter anderem, dass wir danach einige Zeit unterwegs sein würden. Nun war es endlich so weit: Wieder unterwegs sein und Neues sehen. Am 19.01. ging es nach El Calafate, eine kleine Stadt mitten in Patagonien, nahe der chilenischen Grenze.

Jeder, dem wir erzählt haben, dass wir nach Patagonien gehen würden war sofort verzückt, „muy lindo“ – hörte ich in diesem Zusammenhang am häufigsten. So war dann der erste Eindruck, als wir aus dem Flughafen raus sind, und die Fahrt in die Stadt erst einmal ernüchternd. Das Bild, welches sich uns bot, war recht eintönig: Steppe. Alles bräunlich-grün, ein paar kleine Büschchen zwischen strohigem Gras, das war es dann aber auch schon an Landschaft. Nun gut, anscheinend haben Argentinier eine etwas andere Definition von „sehr hübsch“.

Im Hostel angekommen, war dann der zweite Eindruck schon viel besser. Vom Aufenthaltsraum aus beziehungsweise von der Terrasse davor, hatte man einen wundervollen Blick auf den Lago Argentino. Und das ganze in der prallen Sonne, 19 Uhr Ortszeit – man merkte doch deutlich, dass man viel südlicher ist, als Córdoba. Auch die Stadt selbst ist wirklich süß. Zwar sieht man ihr an jeder Ecke an, dass sie ausschließlich vom Tourismus lebt, aber irgendwie macht das nichts. Es war hier ein buntes Gewusel von Menschen aus aller Welt, die nur hier hergekommen sind, um den größten Gletscher Südamerikas zu bewundern, den Perito Moreno – genau wie wir.

So viel Eis im Sommer

Da wir nur zwei Nächte in El Calafate hatten, ging es dann den nächsten Tag zum Gletscher. Die Fahrt im Bus dauert etwa zwei Stunden und dann hat man etwa vier Stunden Zeit durch den Nationalpark zu laufen und ewigem Eis beim kalben zuzuschauen. Da Bilder einfach manchmal einfach mehr sagen als Worte, hier ein paar Fotos dieser wirklich beeindruckenden Eiswand:

Perito Morena, erster Blick

Perito Morena, erster Blick

 

Perito Morena ganz nah

Perito Morena ganz nah

 

Und noch einmal Perito Morena

Und noch einmal Perito Morena

Der Gletscher ist übrigens 14 km lang und 50 m hoch. Wenn sich Eis ablöst und ins Wasser fällt – der Gletscher kalbt dann – hört sich das an, wie ein Kanonenschuss. Dabei lässt sich auch wunderbar beobachten, wie zeitverzögert der Knall nach den Sturz ins Wasser ankommt. Ach und wer den Perito Moreno selbst besuchen sollte: probiert das Echo aus, es ist der Wahnsinn. Ich habe noch nie ein so klares Echo gehört wie dort. Wer ein Gletschertrekking machen möchte, sollte die entweder vor Ankunft buchen oder etwas mehr Zeit mitbringen. Apropos Zeit: El Calafate und Umgebung ist definitiv mehr als knapp zwei Tage wert. Weiter im Norden liegt noch El Chaltén, ein Ort im Norden des Nationalparks Los Glaciares – also dem, in welchem auch der Perito Moreno liegt, dieser allerdings im Süden des Parks. Auch dieser Teil soll sehr schön sein und wäre sicher einen Besuch wert gewesen.

Vamos a Chile

Den nächsten Tag ging es mit dem Bus nach Puerto Natales – Chile. Die Busfahrt ist relativ kurz mit etwa fünf Stunden – offiziell. Da nicht mit eingerechnet: Die zwei Stunden, die man sich die Beine in den Bauch steht, um aus Argentinien heraus zu kommen…. Zum Glück ging die Einreise nach Chile wesentlich schneller, so dass der Grenzübertritt insgesamt „nur“ etwa 2,5 Stunden gedauert hat. In Puerta Natales angekommen, wird ziemlich schnell klar: Diese Stadt würde von keinem Menschen jemals erwähnt, geschweige denn besucht werden, wenn sie nicht so dicht am Nationalpark Torres del Paine liegen würde. Architektonisch herrscht vor allem Wellblech vor in diesem Fischerdorf, aber heute lebt wohl ein großer Teil der Einwohner von Touristen (also ähnlich wie El Calafate, nur in nicht schön). Es gibt eine Menge Restaurants, Hostels (trotzdem schon etwas reservieren, das Kommen und Gehen ist enorm) und Outdoorgeschäfte. Denn eins ist klar, wer nach Torres del Paine will, braucht Equipment. Das kann man sich allerdings auch meist in den Hostels direkt ausleihen.

Das gängige Verhalten eines Touristen in Puerto Natales, also auch unseres ist Folgendes: Ankommen, einchecken, einkaufen gehen, Equipment und die Busfahrt zum Park organisieren (was häufig auch gleich die Hostels für einen machen), schlafen, Sachen, die man nicht benötigt im Hostel verstauen und los geht’s. Beziehungsweise nach Rückkehr aus dem Nationalpark: ankommen, duschen, saubere Klamotten anziehen, essen gehen, schlafen und weg aus der Stadt. Gefühlt bleibt hier niemand länger als diese zwei Nächte – eine vor und eine nach dem Trekking und es gibt auch absolut keinen Grund.

Aber einen Schritt zurück, wir sind ja erst angekommen – in unserem bereits gebuchten Hostel. Unserer „Herbergseltern“ haben uns dann auch direkt mit allen Informationen weitergeholfen, die man für die Tour benötigt. Was wir vorher bereits wussten: Wir wollten das „W“ (DoubleU) wandern. Vier Tage und drei Nächte waren dafür eingeplant und laut unseren Hosts auch machbar. Man sollte den ersten Bus morgens nehmen und im Westen der Route beginnen. Mit Zelt, Isomatten, Schlafsack und ein bisschen Kochequipment versorgt, konnte es also den nächsten Morgen losgehen.

Das direkt unser Hostel die Bustickets organisiert hat, erwies sich als große Erleichterung, denn auf dem Busbahnhof war die Hölle los – und das kurz nach 7 Uhr. Ich habe in meinem Leben noch nie so viele Menschen in Funktionskleidung gesehen, sagenhaft. Pünktlich 7:30 Uhr startete der Bus dann seine etwa 3 stündige Fahrt. Die Landschaft bestand wieder einmal hauptsächlich aus Steppe. Immerhin gab es nun zur Abwechslung hier und da ein paar Lamas, die meist sehr majestätisch einfach rum standen. Am Eingang des Nationalparks Torres del Paine fing dann das große Gewusel an, denn es sind einige Dinge zu beachten. Zunächst muss man ein Formular ausfüllen, welches man beim Bezahlen abgibt (und den Durchschlag aufzubewahren hat). Dann gibt es im Park zwei kostenlose Campingplätze. Für die muss man sich am Eingang anmelden, wenn sie voll sind, gibt es noch welche, für die man bezahlen muss. Der erste, auf dem wir die zweite Nacht campen wollten, war bereits voll, für die dritte Nacht haben wir einen Platz bekommen – weil wir die ersten in der Schlange waren – also: schnelle Füße. Nach dem der Eintritt bezahlt ist und die Anmeldung für die Zeltplätze fertig, wird man in einen Raum gepfercht und muss sich ein fünfminütiges Video anschauen, mit dem Inhalt, was man im Park alles nicht darf – im übrigen alles absolut sinnvoll – vor allem die Sache mit dem Feuer. Dennoch hat mich hier das Gefühl beschlichen, dass irgendwie alles sehr „deutsch“ ist – ein Gefühl, welches ich in Chile öfters hatte.

Torres del Paine – es hätte so schön werden können

Nachdem ganzen Orga-Kram, geht es dann zurück zum Bus, der uns zum See brachte, von wo aus uns ein Schiff zur anderen Seite bringen sollte (Fahrzeit etwas 30 Minuten) – wo dann direkt der Wanderweg liegt und der Zeltplatz für die erste Nacht. Das Schiff fährt allerdings maximal einmal in der Stunde – also sollte man auch hier nicht herumtrödeln. Auf der anderen Seite angekommen, haben wir direkt unser Lager für die erste Nacht aufgeschlagen, um dann unsere erste Route zu wandern – 13 Uhr, genau in der Zeit. Das Wetter war prima, das Zelt stand, auf ging’s.

Was uns hier direkt ins Gesicht gesprungen ist, warum man in Videos, in den Faltblättern und überall im Park darauf hingewiesen wurde, auf gar keinen Fall Feuer zu machen: Waldbrände. Ganz offensichtlich haben diese in der Vergangenheit erhebliche Schäden verursacht und so ist es kaum verwunderlich, dass in Chile auf Brandstiftung bis zu fünf Jahre Freiheitsentzug stehen.

Der Weg ist darüber hinaus vor allem durch eins geprägt: Aussicht, hier ein kleiner Einblick, auf unseren Ausblick:

Aussicht am ersten Tag

Aussicht am ersten Tag

 

Und noch weiter nach oben

Und noch weiter nach oben

 

Aussicht Richtung Gletscher

Aussicht Richtung Gletscher

Ein weiteres Highlight meiner Argentinien-Reise ergab sich auf dem Rückweg. Ich lief so vor mich hin und hört plötzlich ein lautes rascheln. Das hat natürlich direkt meine Neugier geweckt und ich blieb stehen, um zu schauen, was das sein könnte. Ich sah, wie sich das hohe Gras bewegte – in meine Richtung. Dann sah ich eine Nase und mein erster Gedanken war: eine Riesenratte. Zwei Schritte weiter war dann aber klar, neee keine Ratte, ein Gürteltier!! Nun lief es aber weiter auf mich zu. Greifen die an, beißen die, wie verhält man sich da? Also habe ich es erstmal nicht aus den Augen gelassen, musste ja aber gleichzeitig meinen Fotoapparat aus meiner Tasche friemeln…und ihm irgendwie auch ausweichen (was ich wahrscheinlich nicht hätte tun müssen, es sah nicht sehr gefährlich aus)… Nachdem wir uns gegenüberstanden, hat es sich dann von mir abgewendet und ist weitergewackelt – ja Gürteltiere rennen nicht, sie wackeln und das sieht sehr NIEDLICH aus 🙂

Was kommt denn da durchs Gebüsch?

Was kommt denn da durchs Gebüsch?

 

Oha, ein Gürteltier versucht mich anzugreifen

Oha, ein Gürteltier versucht mich anzugreifen

Ziemlich erschöpft aber glücklich, gab es dann zum Abendbrot das ekligste Reisgericht, das ich je hatte… aber wenn man Hunger hat….

In der Nacht begann es dann zu regnen. Nach unserem Frühstück hatte es glücklicherweise aufgehört, so konnten wir das Zelt abbauen, aber es war grau und kalt. Um den geplanten Weg zu schaffen, sind wir zeitig los, so das wir Mittag auf unserem zweiten Zeltplatz ankommen sollten. Zwar regnete es zwischendurch immer wieder, aber wir kamen gut vorwärts und konnten wie geplant, und inzwischen bei Sonnenschein, unser Zelt aufbauen. Nach einem zweiten Frühstück ging es dann wieder los, drei Stunden bis zum Aussichtspunkt. Nach etwa 15 Minuten fing es jedoch leider wieder an zu regnen. Aber was solls, immerhin hatte es am Vormittag auch immer wieder etwas geregnet und es war nie schlimm. Doch nach weiteren zehn Minuten wurde der Regen immer schlimmer. Was tun? Umdrehen, weitergehen? Erstmal unterstellen! Aber so richtig befriedigend war das auch nicht. Aber da ich mich ja zunehmend in Optimismus übe, war Aufgeben keine Option, es wird schon wieder aufhören zu regnen. Also weiter gehen. Der Regen wurde aber immer stärker. Kurz vor dem ersten Aussichtspunkt waren wir dann allerdings so durchnässt und der Weg wurde so beschwerlich, dass weitergehen keinen Sinn mehr ergab. Hinzu kommt, dass es bei diesen Wetterverhältnissen, selbst wenn es bis oben geschafft ist, nix von der Aussicht hat, weil es einfach keine gibt – nur Wolken und Regen.

Als wir an unserem Zelt angekommen sind, vollkommen durchnässt, kam die Sonne wieder heraus. Aber ziemlich erschöpft und total nass, war jetzt erst einmal ausruhen und in der Sonne und trocknen angesagt. Nach drei Stunden stand dann kurz die Überlegung im Raum doch noch einen Versuch zu starten – aber sechs Stunden Hin- und Rückweg, dafür war es inzwischen einfach zu spät. Nun gut, da mussten wir uns wohl damit abfinden, dass wir nicht alles sehen würden. Aber es kamen ja noch zwei Tage und hoffentlich doch noch der sensationelle Ausblick auf den Torres del Paine.

In der Nacht war an Schlaf nicht wirklich zu denken. Es hat in strömen geregnet und war so unfassbar windig, bei diesem Krach kann niemand schlafen! Total fertig und genervt vom Regen gab es zu Belohnung erst einmal eine heiße Dusche. Ziemlich schnell war dann aber auch klar: keine Ahnung, wann es wieder aufhört mit regnen und selbst wenn es irgendwann aufhört, können wir in diesem Zelt keine weitere Nacht verbringen, denn es war inzwischen auch innen nass. Auf unserem Weg gab es allerdings noch zwei Refugios – eins kurz vor unserem gebuchten Zeltplatz, ein weiteres lediglich 1,5 Stunden vom aktuellen Standort entfernt. Alternative eins wäre im Regen zwar ein Kraftakt, aber würde uns die Möglichkeit erhalten, den letzten Ausblick doch noch zu sehen. Leider konnten wir diese Variante ziemlich schnell abhaken, da die Rezeption des Zeltplatzes telefonisch abklären konnte, dass dort für die kommende Nacht nichts mehr frei ist. Also gut, die letzte Hoffnung also: zum nächsten Refugio und hoffen, dass es da noch zwei trockene Betten gibt.

Nach dem Frühstück haben wir notdürftig das nasse Zelt und unsere Sachen zusammen geräumt und uns aus Mülltüten, die ich von der Rezeption geschnorrt hatte, Röcke gebastelt, in der Hoffnung, in den nächsten 1,5 Stunden nicht total durchzuweichen. In unserem zauberhaften Outfit und immer noch im trüben grau, starteten wir in den dritten Tag. Trotz Regen kamen wir gut voran und unsere eigenwillige Regenbekleidung funktionierte hervorragend. So dass wir nach gut einer Stunde im Refugio ankamen und, endlich ein bisschen Glück, die letzten beiden Betten ergattern konnten – im dreistöckigem Bett. Der Rest des Tages ist schnell erzählt: Regen. Wir und einige andere Glückliche, die im Refugio übernachten konnten, füllten den Aufenthaltsraum. Noch voller machten es die, die leider im Regen weiter mussten, aber sich hier wenigsten ein wenig trocknen und aufwärmen wollten.

Gut ausgeruht starteten wir den letzten Tag, endlich ohne Regen aber leider auch mit der Erkenntnis, vom Torres del Paine nicht mehr viel zu sehen, denn um den Bus zu bekommen, blieb uns nur noch der Weg direkt zum Shuttle, für die Aussicht blieb keine Zeit mehr. Entspannt kamen wir am Hotel an, wo der Shuttle zum Bus zurück in die Stadt fahren würde. Mit genug Zeit für ein leckeres Mittagessen im Hotel.

Die Rückfahrt – nun wieder bei Sonne, verlief entspannt und ohne Zwischenfälle. Wieder in Puerto Natales angekommen, verlief der Rest des Aufenthalts, wie eingangs beschrieben: Abendessen (eine sehr leckere Pizza und die Bekanntschaft mit zwei Amerikanern, die mit einem gehörigen Kater am nächsten Tag endete) und Abreise am nächsten Tag, Richtung Punta Arenas.

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