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Nationalpark Esteros del Iberá – Ein Reisebericht

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Dezember 18, 2015 by Gretchen

Gruppe Wasserschweine

Von Puerto Iguazu ging es mit dem Nachtbus nach Corrientes, die Fahrt dahin dauert etwa neun Stunden, also die richtige Dauer für eine Nachtfahrt. Es ist sicher nicht perfekt, aber die Überlandbusse in Argentinien sind generell bequemer als wir das aus Deutschland kennen. Man kann bei der Buchung zwischen Semi-Cama und Cama wählen – also, ob man den Sitz so ein bisschen hinter klappen kann oder fast bis in die Waagerechte. Diese Cama – Variante ist nur unwesentlich teurer. Zudem sind die Sitze generell breiter und die Beinfreiheit größer. Je nach Busunternehmen und Fahrtzeit gibt es auch eine Decke oder Kissen und Abendessen oder Frühstück. Demzufolge sind wir einigermaßen ausgeruht morgens um 6 Uhr in Corrientes angekommen.

Aber wo und was ist Corrientes und warum ging unsere Reise dorthin? Unser eigentliches Ziel war der Nationalpark Esteros del Iberá. Das ist eine riesige Sumpflandschaft im Norden Argentiniens und das zweitgrößte Feuchtgebiet der Welt. Trotz seiner Größe und Artenvielfalt ist das Naturschutzgebiet erstaunlich schwer erreichbar, vor allem, wenn man kein eigenes Fahrzeug hat. Glücklicherweise hat uns Manu aus dem Mango Chill in Puerto Iguazu beschrieben, wie es am besten zu erreichen ist: Nach Corrientes, von da aus mit dem Bus nach Mercedes (vier Stunden Fahrtzeit) und von da aus nach Colonia Carlos Pellegrini, ein Dorf mitten in der Lagune des Naturschutzgebietes (wer sich das auf der Karte anschaut, wird sehen, dass es eigentlich ein Umweg ist, aber es scheint tatsächlich der beste Weg zu sein), aber eins nach dem anderen.

Erster Zwischenstopp: Corrientes

Corrientes ist die Hauptstadt des Bundeslandes gleichen Namens, direkt am Paraná, dem zweitgrößten Fluss Südamerikas. Die Stadt hat rund 250.000 Einwohner, die Lage am Fluss ist recht schön, mit schönen Häusern aus der Kolonialzeit, aber insgesamt ziemlich unspektakulär.

Kolonialbauten in Corrientes

Kolonialbauten in Corrientes

Hier haben wir in ein nettes Hostel eingecheckt, was von einem älteren Ehepaar (vermuten wir) betrieben wird und sehr familiär wirkte. Nach einem kurzen Stadtrundgang war die oberste Mission an diesem Tag herauszufinden, wie wir nach Carlos Pellegrini kommen. Leider ist das Internet diesbezüglich etwas dürftig – Busfahrpläne in Argentinien – online??? Eher schwierig. Also war die Überlegung bei der Touristeninformation nachzufragen.

Ein Blick auf den Stadtplan verriet eine Touristeninformation ganz in der Nähe des Hostels. Dort angekommen stellten wir jedoch fest, dass es sich um das „Ministerio de Turismo Corrientes“ handelte. Naja, klingeln schadet ja nix. Uns wurde von einer netten Dame von der Sicherheit geöffnet, und nachdem wir kurz umrissen haben, dass wir eigentlich nur wissen wollen, wie wir am einfachsten nach Esteros del Iberá kommen, bat sie uns hinein, brachte uns ein Büro und bedeutete uns zu warten, sie holt jemanden. Eine Minute später kam ein netter Mitarbeiter, der uns allerdings nicht so richtig weiterhelfen konnte (es stellte sich heraus, er war Marketingverantwortlicher des Ministeriums), aber er brachte uns dann kurzerhand in ein anderes Büro (durch einen sehr schönen Innenhof des hübschen Kolonialzeitgebäudes), wo einige seiner Kollegen arbeiteten. Hier wurde uns dann in einer Gemeinschaftsarbeit erklärt, wie wir ans Ziel kommen und es klang wenig erholsam: Der Bus nach Mercedes fährt zweimal am Tag, einmal Mittag und einmal Mitternacht. Der Bus nach Carlos Pellegrini fährt – da sind wir aber nicht sicher – auch zweimal am Tag, einmal früh und einmal am Nachmittag. Nimmt man den Bus nach Mercedes jedoch am Mittag, schafft man den Anschlussbus nicht mehr. Also sollten wir den Bus um Mitternacht nehmen. Fahrtzeit vier Stunden und dann noch einmal etwa vier nach Carlos Pellegrini – für 120 km… dazu später mehr.

Wir bedankten uns nach kurzer Plauderei von den Ministeriumsmitarbeitern und gingen zurück ins Hostel. Nun hatten wir jedoch die folgende Nacht im Hostel schon geplant und wollten nach einer Nacht im Bus erst mal ausschlafen. Dann aber noch einen ganzen Tag in Corrientes zu bleiben schien uns auch irgendwie verschwendete Zeit. Also beschlossen wir, entspannt den nächsten Mittag nach Mercedes zu fahren, dort eine Nacht zu bleiben und dann bequem den nächsten Tag weiter nach Carlos Pellegrini zu reisen. Gesagt – getan.

Zweite Etappe: Mercedes

Am darauffolgenden Tag kamen wir am Nachmittag in Mercedes an. Eine kleine Stadt irgendwo im Nirgendwo. Wenn es nicht der Ausgangspunkt wäre, um in den Nationalpark zu kommen, würde ich jedem Abraten dort einen Stopp zu machen: Muss man nicht gesehen haben. Aber man bekommt ein Gefühl dafür, wie das Landleben in Argentinien ist – abseits der Großstädte. Und man weiß nun (vorher hat man es bereits erahnt), dass Esteros del Iberá immer noch ein Geheimtipp ist. Keine Ahnung wie das passieren konnte, aber es ist sicher auch von Vorteil. In Mercedes gibt es aber leider wirklich nicht viel: kein gutes Essen, keine Sehenswürdigkeiten und anscheinend auch keine ATMs, an denen man mit Kreditkarte Geld abheben kann. Also wichtiger Tipp: Genügend Bargeld bereits in der Tasche haben. In Carlos Pellegrini gibt es gar keine Geldautomaten. In dem Hostel, dass wir uns ein paar Blocks vom Busbahnhof entfernt ausgesucht hatten, waren wir dann auch die einzigen Gäste.

Am Busbahnhof wurden dann noch zwei Dinge geklärt: 1. wann genau geht der Bus nach Carlos Pellegrini und 2. wie kommen wir dann nach Rückkehr nach Rosario? Es gibt nur ein Busunternehmen, das in die Colonia Carlos Pellegrini fährt: Ortiz. Das hatte uns auch die Besitzerin der Posada per Mail mitgeteilt, bei der wir uns für zwei Nächte eingebucht hatten. Der Bus fuhr 9 Uhr. Jedoch bekamen wir den Tipp eher da zu sein (7:30 Uhr, aber 8 Uhr reicht auch) und die Fahrkarte direkt beim Busfahrer zu buchen, dann wird’s billiger, als über die Agentur am Bahnhof. Es gibt noch andere Möglichkeiten nach Esteros del Iberá zu kommen. Man kann private Fahrservices buchen oder die bei Buchung der Übernachtung in den teuren Unterkünften gehört es zum Service. Aber wir haben uns für die günstigere Alternative entschieden. Auch nach Rosario fährt nur ein Bus: Täglich 19:15 Uhr, Fahrtzeit 11 Stunden. Also wieder eine Nachtfahrt, die wir direkt nach Rückkehr antreten wollen. Aber erst einmal ab in den Nationalpark.

Endlich am Ziel: Colonia Carlos Pellegrini im Nationalpark Esteros del Iberá

Pünktlich 7:30 Uhr waren wir am Busbahnhof und der Bus von Ortiz war wie versprochen schon da. Auf dieser Strecke fahren kleinere Busse für etwa 15 Personen. Wir haben uns kurz mit dem Fahrer unterhalten, der uns gern mitnehmen wollte, für 200 Pesos (wie uns tags zuvor auch gesagt wurde, der offizielle Fahrpreis ist wohl 300-400 Pesos, genau weiß ich es nicht). Um 8 Uhr ging es dann, mit zwei weiteren Fahrgästen los. Das heißt noch nicht ganz. Die nächsten 45 Minuten haben wir noch eine kleine Stadtrundfahrt bekommen, bei der der Fahrer einen Sack Brötchen, weiteren Krams und zwei weitere Fahrgäste eingesammelt hat, um dann kurz vor 9 Uhr wieder am Busbahnhof zu stehen und noch einen weiteren – offiziell zahlenden Gast aufzunehmen. Aber jetzt wirklich!

Die ersten Kilometer sind easy, etwa eine halbe Stunde, vielleicht auch etwas mehr, auf einer geteerten Straße. Normale Busfahrt eben. Aber dann geht es ab in den Schotter. Links und rechts vor allem Felder, Kühe, auch mal ein paar Schafe. Und roter Staub. Nun wurde klar, warum die Fahrt länger dauern wird: Weil dieser kleine Bus bei den Straßenverhältnissen einfach nicht schneller fahren kann. Etwa eine knappe Stunde vor Colonia Carlos Pellegrini fährt man dann bereits im Nationalpark – und bekommt auch schon das erste Mal das zu sehen, weswegen man gekommen ist: Wasserschweine 🙂 . Die lümmeln links und rechts der Straße in kleinen Tümpeln rum und tun dass, was diese ulkigen Tiere anscheinend am besten können: entspannt sein. Außerdem bekommt man Hirsche zu sehen, wenn man Glück hat und jede Menge Vogelarten.

Beinahe pünktlich nach genau vier Stunden wurden wir von unserem Busfahrer vor unserer Unterkunft abgesetzt – von oben bis unten eingehüllt in roten Staub. Wer außerhalb der Saison kommt (die ist wohl Januar und Februar), muss nicht unbedingt vorher buchen. Dort ist wirklich überhaupt nichts los und der Busfahrer kennt jede einzelne Unterkunft und bringt einen dann schon unter. Wir waren allerdings mit unserer Posada Rancho Iberá sehr zufrieden, die wir im Internet für einen Schnäppchenpreis bekommen hatten.

Ein paar Worte zur Colonia Carlos Pellegrini: Der Begriff Kolonie trifft es recht gut. Schwer zu sagen, wie viele Einwohner der Ort, das Dorf hat, aber ich schätze etwa ein paar Hundert. Es gibt da keine asphaltierten Straßen, keine Tankstelle und keinen Supermarkt. Dafür aber Hühner, Pferde, Kühe und jeden Tag einen Stromausfall. Verhungern muss man da aber auch nicht. Es gibt kleine Läden und auch kleine, recht gute Gaststätten.

Nachdem wir uns vom Staub befreit hatten, wollten wir natürlich direkt erst mal einen Spaziergang durch den Park machen, also ging es zur Touristeninformation. Diese ist, direkt gesagt, keine Hilfe. Man soll eine Bootsfahrt buchen (was wir durchaus noch vorhatten) oder eine geführte Tour. Aber eine Karte der Umgebung, wo man vielleicht wandern kann – Fehlanzeige. Diese Informationen gab es an der Reservatstation, auf der andere Seite der Brücke, etwa 2 km entfernt.

Esteros del Iberá: Die Brücken nach Colonia Carlos Pellegrini

Esteros del Iberá: Die Brücken nach Colonia Carlos Pellegrini

Wir haben uns dann entschieden, erst einmal auf den nahe gelegenen Campingplatz zu gehen (von wo aus auch die Bootstouren starten) und uns da umzuschauen. Für uns war das natürlich keine Alternative, aber wer einen Camper hat oder ein gutes Auto und Zelt, dem sei Campen hier wärmstens empfohlen.

Auf der Wiese vom Zeltplatz, direkt am Wasser, dann die erste direkte Begegnung mit meinen neuen Lieblingstieren: Capybaras 😀

Gruppe Wasserschweine

Eine kleine Gruppe Capybaras – oder Wasserschweine.

Und während wir uns von der entspannten Art der Tiere hypnotisieren liesen, kam ein Typ vorbei, der uns zu einer Bootstour überreden wollte. Da er uns, um das Boot noch voll zu bekommen, einen guten Preis angeboten hat und es den nächsten Tag angeblich regnen sollte, haben wir das Angebot angenommen. Was folgte, waren zwei tolle Stunden Bootsfahrt in der Lagune, mit Kaimanen, Capybaras, unzähligen verschiedenen Vögeln und schwimmenden Inseln.

Kaiman

Ein Kaiman am Ufer.

Sumpfhirsch

Ein Sumpfhirsch

Capybara im Wasser

Ein Capybara im Wasser

Schwimmende Insel

Auf einer schwimmenden Insel.

Babyvögel

Drei Baby-Vögel

Am zweiten Tag hat es dann, wie versprochen, erst einmal geregnet. Beziehungsweise hatte es in der Nacht bereits mit einem heftigen Gewitter begonnen und erst am Vormittag aufgehört. Mit Gummistiefeln bestückt, haben wir uns dann nach dem Regen zum Büro des Nationalparks gemacht, um zu erfahren, wo man wandern kann. Zum Teil hatten wir das auch am Vortag vom Boot aus ganz gut sehen können. Der Weg oder ein Weg geht direkt dahinter entlang und bei gemütlichem Tempo mit Zeit für Fotos, dauert der Rundgang etwa zwei Stunden. Zwei Stunden mitten in der Natur, Wildlife pur sozusagen.

Schmetterling 1

Gar nicht so einfach zu fotografieren: Schmetterlinge

Capybara 3

Capybara ganz nah

Capybara mit Vogel

Capybara mit Vogel

Gruppe Capybaras und Vögel

Eine Gruppe Capybaras im Einklang mit Vögeln.

Vogel mit rotem Kopf

Ich habe keinerlei ornithologische Kenntnisse, als einfach Vogel mit rotem Kopf.

Da für die letzte Nacht auch wieder Gewitter und starker Regen angesagt war, ist die Nachtbootsfahrt leider ins sprichwörtliche Wasser gefallen. Also wollten wir am Morgen, bevor uns der Bus 14 Uhr abholen würde, noch ein bisschen Kanu fahren. Beim Frühstück war dann allerdings klar – auch das wird nix. Es hört einfach nicht mehr auf mit regnen. Laut Einwohner war das ungewöhnlich viel Regen, an dem El Nino Schuld ist – das hatten wir in Buenos Aires auch schon gehört. Alle vier Jahre kommt El Nino vorbei und bringt viel Regen mit. Notgedrungen haben wir den Vormittag mit Lesen verbracht und damit zuzuschauen, wie sich der Garten in einen kleinen See verwandelt. Unser Bus kam dann trotz es Regens (wir hatten ihn schon beinahe abgeschrieben) mit etwa einer halben Stunde Verspätung.

Regen im Garten

Die Wiese im Garten unserer Unterkunft verwandelt sich langsam in einen Teich.

Eine Reise, die ist lustig

Bis zur Abfahrt unseres Busses nach Rosario sollte es also knapp werden, nicht unmöglich, aber knapp. Die Straßen im Dorf standen alle unter Wasser, aber da der Busfahrer noch witzelte, kein Grund nervös zu werden. Die Fahrt fing dann auch weitestgehend normal an, wir kamen gut voran. Leider wurden die Straßenverhältnisse schlechter. Auf ihr bildeten sich kleinere aber auch größere Seen. Im größten standen wir dann auch erst einmal fest. Zwar konnte der Fahrer den kleinen Bus zum weiter fahren bewegen, jedoch war Wasser in den Tank gekommen – nicht gut. Wir steckten fest. Der Bus konnte nicht weiter fahren, etwa eineinhalb Stunden vor Mercedes. Na super, eine Nacht im Nirgendwo, ohne etwas zu Essen, die letzte Mahlzeit war das Frühstück und auch schon längst verdaut. Was nun? Warten, bis ein Fahrzeug aus der gleichen Richtung kommt und uns mitnehmen kann. Uff

Wasser Straße 1

Überflutete Straße auf dem Weg nach Mercedes.

Nach etwa 15 Minuten kam dann glücklicherweise ein Jeep – der voll war. Drei Spanier die auf dem Weg nach Posada waren. Eigentlich geht es von Carlos Pellegrini in die andere Richtung nach Posada – das liegt nördlich, während Mercedes südlich davon liegt. Da sind die Straßenverhältnisse allerdings noch schlechter, und wenn da etwas fährt, dauert es noch länger. Posada scheint also als Ausgangspunkt nach Carlos Pellegrini keine optimale Wahl zu sein.

Platz war im Jeep nur noch hinten auf der Ladefläche. Wie sagt man so schön?! Besser schlecht gefahren, als gut gelaufen. Der nette ältere Herr aus der spanischen Reisegruppe hat mir noch seine Outdoorjacke überlassen, damit ich nicht erfriere, vielen Dank noch mal dafür an den unbekannten Herren 🙂 . Ach ja, es hatte außerdem inzwischen auch aufgehört zu regnen (nicht unwichtig, wenn man auf einer offenen Ladefläche sitzt) und vielleicht würden wir ja nun unseren Bus doch noch bekommen.

Die Fahrt ging mit dem Auto auch um einiges flüssiger vonstatten und war nicht so schlimm, wie befürchtet. Frische Luft, die Sonne kam noch einmal heraus und eine Wildkatze haben wir auch noch gesehen. Der Fahrer des Jeeps hat uns dann allerdings an der ersten Bushaltestelle abgesetzt – sie wollten ja auch nicht nach Mercedes. Ich möchte auch nicht undankbar sein, immerhin haben sie uns mitgenommen und vielleicht hätten wir den Bus nach Rosario auch nicht bekommen, wenn er uns bis zum Bahnhof gebracht hätte. Jedenfalls haben wir den Bus um etwa 15 Minuten verpasst. Nun hieß es also einen ganzen weiteren Tag in Mercedes verbringen 🙁 . Man kann sich die Freude kaum vorstellen, als es den nächsten Abend dann endlich Richtung Rosario ging. Zurück ins Leben, zurück in die Zivilisation – ins schöne Rosario.

 

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2 comments »

  1. Claudia sagt:

    Gibt es in Colonia Carlos Pellegrini einen Laden wo man zB mal eine Flasche Wasser etc. kaufen kann?
    LG Claudia

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